Schullexikon

Inklusion

Seit der Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention durch die Bundesrepublik Deutschland am 26. März 2009 müssen die Bundesländer Menschen mit Behinderung gleichberechtigt mit anderen Menschen Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen gewähren.

Rechtslage im ÜberblickInklusive Bildung geht davon aus, dass sich die Rahmenbedingungen in den Schulen an den Bedürfnissen und Besonderheiten der SchülerInnen ausrichten müssen. Anders als bei der integrativen Bildung, bei der versucht wird, die zuvor „aussortierten“ Kinder den Bedingungen der Regelschule anzupassen. In einem inklusiven Bildungssystem sollen behinderte SchülerInnen – beginnend im Kindergarten – gemeinsam mit nichtbehinderten SchülerInnen lernen.

Im Beschluss „UN-Konvention zur Inklusion in der Schule umsetzen“ hat der Landtag am 1. Dezember 2010 die ersten Markierungspunkte zur Umsetzung der UN- Konvention in NRW gesetzt. Die Kernaussagen sind:

  • Die allgemeine Schule ist der Regelförderort.
  • Eltern können weiterhin für ihr Kind eine Förderschule wählen.
  • Eine Vernetzung mit den Inklusions-Fachverbänden und Elterninitiativen soll eine fachgerechte Elternberatung gewährleisten.


In Umsetzung des Landtagsbeschlusses änderte das Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) im Januar 2011 die Verwaltungsvorschriften zu § 37 Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung (AO-SF): Die Schulkonferenz ist zu beteiligen. Ein Beschluss ist nicht zwingend notwendig. Jede Schule kommt für den Gemeinsamen Unterricht in Frage. Schulträger und Schulaufsicht müssen im Rahmen der bestehenden Regelungen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um dem Elternwunsch nach Gemeinsamen Unterricht soweit wie möglich Rechnung zu tragen. Die Schulaufsichtsbehörde muss prüfen, wie die organisatorischen, personellen und sächlichen Voraussetzungen erfüllt werden können. Kann dem Wunsch der Eltern auf Gemeinsamen Unterricht nicht entsprochen werden, bedarf es einer umfassenden Begründung von Seiten der Schulaufsicht („Umkehr der Beweislast“).

Nach der Durchführung eines Verfahrens nach der Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung (AO-SF) entscheidet die Schulaufsicht, welcher sonderpädagogische Förderbedarf vorliegt. Auch über den Förderort entscheidet die Schulaufsicht. Legt sie als Förderort die Regelschule fest, wird eine Lehrkraft für Sonderpädagogik aus der jeweiligen Förderschule abgeordnet. Dies gilt für zielgleich zu unterrichtende Kinder – zum Beispiel ein blindes Kind am Gymnasium – sowie bei zieldifferent zu unterrichtenden Kindern in Integrativen Lerngruppen in der Sekundarstufe I beispielsweise an der Gesamtschule. In den Grundschulen erfolgt die Förderung in der Regel durch dort festangestellte SonderpädagogInnen.

TippIn jedem Kreis/jeder kreisfreien Stadt stehen in den Schulämtern „Inklusionsbeauftragte“ zur Verfügung. Es ist sinnvoll, diese zu einer Konferenz einzuladen und Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Handelt es sich um eine Einzelintegrationsmaßnahme? War das Kind in einem integrativen Kindergarten? Welchen Förderbedarf hat es? Gibt es Unterstützung? etc.

Schulen, die inklusiv arbeiten möchten, können einen pädagogischen Fortbildungstag zu diesem Thema durchführen. Ansprechpartner hierfür sind die Kompetenzteams des jeweiligen Schulamtes. Das MSW schult derzeit sogenannte „Inklusionsberater“, die in der Schule Fortbildungen zum Thema durchführen können. Auch die entsprechenden Förderschulen können hilfreiche Beratung leisten.


Stand: Februar 2012

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