Medienbildung

Gewusst wie

Wenn Schule die Voraussetzungen für eine offene, selbstbestimmte Lernkultur schaffen will, dann muss sie heute zwingend die durch Medien konstruierte Lebenswelt einbeziehen. Ein umfassender Job für LehrerInnen. Wer Medienbildung vermitteln soll, muss deshalb gut vorbereitet werden und auch im Beruf weiterlernen.

von Ilka Goetz

Medienbildung ist das „Lernen über Medien“ (Medienerziehung) und das „Lernen mit Medien“ (Mediendidaktik). Sie schließt analoge und digitale Medien ein und bezieht sich auf einen weiten Medienbegriff, der Medienprodukte, Medieninstitutionen, Medientechnologien und Medien als symbolische Codes umfasst.

Der Begriff Medienbildung verweist darüber hinaus darauf, dass Bildung heute in einer mediatisierten Welt stattfindet. Das betrifft die Inhalte der Bildung sowie die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, unter denen sie sich vollzieht. Schließlich macht der Begriff Medienbildung auch deutlich, dass Medien für die Bildung unverzichtbar sind: Im Prozess der Bildung eignet sich das Subjekt die Welt an und formt sich selbst. Werkzeuge und Inhalte dafür findet es in großem Umfang in den Medien.

Medienbildung will gelernt seinEine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Medienbildung ist die Qualifikation derjenigen, die sie vermitteln: LehrerInnen (und im Übrigen auch ErzieherInnen). Bereits in der Ausbildung sollten LehrerInnen die Möglichkeit haben, die eigene Medienkompetenz zu schulen und medienpädagogische Kompetenz zu erwerben. Durch obligatorische Grundlagen- und Wahlpflichtmodule muss sichergestellt werden, dass LehrerInnen die erforderlichen Kompetenzen zur Förderung von Medienbildung fächerspezifisch, fachübergreifend und fächerverbindend erwerben können – sowohl in der wissenschaftlichen Erstausbildung als auch im Vorbereitungsdienst.

Zum Vorbereitungsdienst sollte ein medienpädagogischer Grundkurs gehören. In ihm müssen die medienbezogenen Selbst-, Sozial- und Sacherfahrungen der LehrerInnen in Beziehung zu den aktuellen Medienerfahrungen der SchülerInnen gesetzt werden. Auch für FachseminarleiterInnen sollte der Nachweis einer adäquaten medienpädagogischen Fortbildung verpflichtend sein.

Doch die Qualifizierung endet nicht nach der Ausbildung: Das gesamte pädagogische Personal der Schule benötigt kontinuierliche, fachbezogene und fachübergreifende Fortbildungsangebote, um die Förderung der Medienkompetenz angemessen in Schule und Unterricht verankern zu können. Letztlich geht es darum, die Medienbildung als Element von Schulentwicklung zu betrachten: Zum einen können Medien in der Schule die Schulentwicklung unterstützen. Zum anderen ist die Entwicklung der Schule aber auch eine Voraussetzung, damit Medienbildung wirklich gelingen kann.

Bedarf erkanntAuch durch Vorfälle vom Missbrauch persönlicher Daten oder von Cybermobbing sind viele Schulen und Studienseminare sensibilisiert für die notwendige Auseinandersetzung mit den Gefährdungen und Potenzialen digitaler Medienwelten. Die Frage nach Fortbildung wird bundesweit verstärkt von Schulen formuliert. Dabei bilden eine verbesserte medientechnische Ausstattung und damit zusammenhängende Aspekte der Mediendidaktik (z.B. im Einsatz von interaktiven Whiteboards) häufig den Anlass für eine vertiefte Beschäftigung mit Fragen der Medienpädagogik und Entwicklung von Medienkompetenz.

Auf die Praxis kommt es anWas LehrerInnen für eine erfolgreiche medienpädagogische Qualifizierung brauchen, ist eine handlungsorientierte Auseinandersetzung mit digitalen Medienwelten. Wie kann ich meinen Unterricht vorbereiten und umsetzen? Wie gestalte ich Lernszenarien, die meine SchülerInnen aktivieren und ihr bisheriges Wissen im Umgang mit Medien einbinden? Wie lässt sich ein schulinternes Konzept zur Verankerung der Medienbildung entwickeln und umsetzen?

Gleichzeitig muss das veränderte Aufwachsen von Kindern in mediatisierten Lebenswelten in den Blick genommen werden. Wie greifen digitale und analoge Welt ineinander? Welche Rolle spielt das Agieren in den Social Communities für die Entwicklung junger Persönlichkeiten? (Wie) Verändert sich Gesellschaft? All das sind Fragen, die pädagogische Fachkräfte im frühkindlichen Bereich ebenso berühren wie die künftigen LehrerInnen an der Berufsschule.

Nicht zuletzt gehört zu einer medienpädagogischen Qualifizierung auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Medienbiografie. Denn der Blick auf das eigene Ich schärft den Blick für die Notwendigkeit der Medienbildung im pädagogischen Kontext und setzt zugleich eine Diskussion in Gang, die das Hier und Jetzt betrifft.

Ilka Goetz ist Geschäftsführerin des Fortbildungsinstituts „BITS 21“ beim fjs e.V. in Berlin und Sprecherin der GMK-Fachgruppe Schule.

In: punktlandung 2011.2

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